20 Jahre Agentur Liberty

Wir sagen alle Dankeschön

Vor 20 Jahren, als alles begann, hat man dem Liberty keine große Chance gegeben. In einer kleinen Adresse, damals noch in der Lietzenburger Straße, mit drei kleinen Zimmern, einem schlechten Ruf von den Vorgängern, habe ich mit sieben Frauen angefangen und hart gekämpft. Das Liberty hat erst einmal eine Homepage bekommen, eine neue Telefonnummer, der alte Name (Mary Lynn) wurde abgeschafft und ich habe viel viel Werbung geschaltet, um uns bekannt zu machen.

Gaaanz langsam entfaltete sich das Liberty wie ein schöner Schmetterling, der nach zwei Jahren immer größer wurde. Die Nachbaretage konnte dazu gemietet werden und somit hatten wir nun acht wunderschöne Suiten. Mittlerweile konnten nun 25-30 Frauen bei mir arbeiten.

Mitte 2006 kam eine Nachricht, die eigentlich unglaublich für uns alle war. Dem Liberty drohte das Aus, da das Bauamt von Berlin alle Bordelle in Wohn- und Mischgebieten schließen wollte. Viele Bordelle verschwanden einfach, zogen um oder haben Prozesse angestrebt. Für die letztere Variante habe auch ich mich entschieden, aber leider vor dem Amtsgericht verloren. Was nun?? Das Bauamt hat mir sechs Monate gegeben, um einen neuen Standort zu finden, umzuziehen oder zu schließen.

Nach drei Monaten wurde endlich das richtige Objekt gefunden und jetzt musste ich aber Gas geben. Viele Anträge und Genehmigungen mussten eingeholt werden. Die Handwerker wurden bestellt, und auf die Schnelle neues Mobiliar, Teppiche, Stoffe und vieles mehr organisiert werden. Ich hatte es geschafft, alle behördlichen Abnahmen mit dem Bauamt und der Feuerwehr waren erledigt. An einem Wochenende, mit vielen vielen Helfern und einer tollen Umzugsfirma, bezogen wir nun unser neues Domizil.

Viel größer und schicker erstrahlte nun das Liberty im neuen Glanz. Alle waren zufrieden und froh, dass es jetzt doch weiter geht.

In den folgenden Jahren sollte mir wieder ein Stolperstein in den Weg gelegt werden. In der unteren Etage, die jahrelang frei war, wollte ein weiteres Bordell einziehen. Dies wäre sicherlich sehr problematisch geworden, und somit habe ich mich entschlossen, eine weitere Etage dazu zu nehmen, und dem Liberty stand wieder eine Veränderung ins Haus.

Wie in vielen Dingen durften die Frauen und auch die Gäste mitbestimmen wie der Umbau später umgesetzt wurde. Viele Ideen und Wünsche konnte ich erfüllen, und so entstand eine Wellnessetage mit Poolsuiten, einem Massageraum und ein bizarrer Bereich. Für unsere Gäste mit Behinderungen habe ich diese Etage komplett barrierefrei gestaltet und bekam großes Lob für die Umsetzung.

Nun war das kleine Liberty zu einer ganz schön großen Adresse herangewachsen und ich kann sagen, der Kampf hat sich gelohnt. Heute arbeiten drei festangestellte Hausdamen, drei Reinigungskräfte und bis zu 40 Frauen im Liberty. Viele davon haben die ganzen Veränderungen mitgemacht und durchgehalten.

Dafür möchte ich mich bei allen ganz ganz herzlich bedanken.

2020 dann der nächste Schock, der die ganze Welt betraf: die Coronapandemie. Unser Gewerbe hat es sicherlich am schlimmsten betroffen, da wir die ersten waren die schließen mussten. Mit einer Unterbrechung von ein paar Wochen, hatten wir insgesamt 12 Monate geschlossen. Wir hatten sozusagen Berufsverbot!

Viele Frauen haben sich in dieser Zeit umorientiert, Hausdamen und Reinigungskräfte suchten sich natürlich auch neue Arbeitsstellen. Und ich, saß wieder mal da und überlegte: Was kann ich tun? Im ersten Lockdown habe ich mit vielen fleißigen Helfern Bereiche im Liberty renoviert, das im laufenden Betrieb nicht wirklich möglich war. Der ganze private Bereich (Aufenthaltsraum, Umkleide, Küche, Raucherzimmer und das Frauenbad) wurde ausgeräumt und komplett neu gestaltet.

Da ich einfach nicht still rumsitzen konnte, habe ich mit meinem Bundesverband UEGD eine neues Projekt geplant.

Mit einer spektakulären Presseaktion haben wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir in unserem Gewerbe auch Hygienekonzepte umsetzen können. Ein megagroßes Banner prangte über mehrere Wochen an der ganzen Hausfront und viele Frauen halfen bei unserer Pressekonferenz, um auf unsere Probleme aufmerksam zu machen. Natürlich habe ich auch hier wieder geklagt und nach langem Zittern und Auffassung der Gerichte, duften wir unter Auflagen endlich wieder öffnen.

Mit wenig Personal und der Hälfte der Frauen, die vor dem Lockdown noch tätig waren, habe ich ganz langsam einen Neustart begonnen. Die Gäste waren natürlich auch noch ängstlich und sehr verhalten mit einem Besuch bei uns. Zumal sie uns ihre Kontaktdaten geben mussten. Alle Frauen und auch Mitarbeiterinnen waren mittlerweile geimpft, aber die Angst überwog erstmal.

Um nicht noch mehr Schaden zu nehmen und finanzielles Risiko einzugehen, habe ich mich dann dazu entschlossen Kosten einzusparen. Schweren Herzens musste das Liberty räumlich verkleinert werden und somit habe ich die wunderschöne untere Etage wieder abgegeben. Die restlichen 9 Zimmer in der oberen Etage wurden alle renoviert und neu gestaltet, und wieder stand das Liberty in neuem Glanz da.

Nach und nach kamen dann auch neue Frauen dazu, die sich trauten wieder zu arbeiten, und ganz langsam auch wieder unsere treuen Gäste. Wir haben ein Jahr gebraucht um das Liberty wieder aufzubauen und freuen uns natürlich dass wir immer noch da sind.

Nun nach 20 Jahren Liberty, heißt es nochmal Danke. Danke an alle, die uns über so viele Jahre treu geblieben sind. Danke an alle Frauen, die das Liberty zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Die Liste an Menschen, die es möglich machen einen Betrieb wie das Liberty aufrecht zu erhalten, würde endlos sein. Aber ganz besonderen Dank spreche ich aus, meiner Werbeagentur Insignum, den ganzen Erotikportalen, unseren Lieferanten der Firma Diga und Firma Curo, meinem Steuerbüro Jakus, dem Bundesverband UEGD, meinen Anwälten Frau von Galen und Herr Karthal, und natürlich meinem Mann für seine Geduld und Großzügigkeit.

Die Veränderungen und Umbauarbeiten sind abgeschlossen und wir können nach 20 Jahren immer noch ein wunderschönes Liberty genießen. Was es Dank euch Allen hoffentlich noch lange gibt.

 

Ein ganz dickes Bussi an Alle

Eure Maxi

25. März 2024